gedenkgottesdienst herbst 2018

 

Geschichte

 

„Du hast einen schönen Beruf“, sagte das Kind zu dem alten         

 

Brückenbauer, „aber es muss schwer sein, Brücken zu bauen.“

 

„Wenn man es gelernt hat, ist es leicht“, sagte der alte Brückenbauer.

 

„Es ist leicht, Brücken aus Beton und Stahl zu bauen. Die anderen

 

Brücken sind viel schwieriger“, sagte er, „die baue ich in meinen Träumen.“

 

„Welche andren Brücken?“ fragte das Kind.

 

Der alte Brückenbauer sah das Kind nachdenklich an. Er wusste nicht, ob es verstehen würde. Dann sagte er: „Ich möchte eine Brücke bauen von einem zum anderen Menschen, von der Dunkelheit in das Licht, von der Trauer in die Freude. Ich möchte eine Brücke bauen von der Zeit in die Ewigkeit über alle Vergänglichkeit hinweg.“

 

Das kleine Kind hatte aufmerksam zugehört. Es hatte nicht alles verstanden, spürte aber, dass der alte Brückenbauer traurig war. Weil das Kind ihn wieder froh machen wollte, sagte es: „Ich schenke dir meine Brücke.“ Und das Kind malte für den Brückenbauer einen Regenbogen.  . . . .

 

Verfasser unbekannt

 

 

Predigt zum Gedenkgottesdienst Herbst 2018

 

 

 

Als mir vor drei Wochen unsere Koordinatorin, Frau Pesenacker, die Geschichte vom Brückenbauer gab, da habe ich etwas Ähnliches gedacht, wie das Kind in dieser Geschichte: Was für eine schöne Geschichte zu diesem Gottesdienst.

 

 

 

Was für eine passende Geschichte jetzt für diesen Gottesdienst, in dem wir unserer lieben Verstorbenen gedenken: Kinder die um ihren Vater oder ihre Mutter trauern, Eltern, die ein Kind verabschieden mussten, Eheleute, die sich schmerzlich an ihr Versprechen erinnert fühlen, die Treue zu halten, bis der Tod sie scheidet und Freundschaften, die zu Ende gegangen sind.

 

 

 

Viele stehen heute wieder in Erinnerung an diese Zeit, stehen in diesem Augenblick des Abschieds, an dem man jemanden gehen lassen musste oder manchmal auch gehen lassen durfte, als Moment der Erlösung und Befreiung von quälenden Schmerzen und einer liebevollen aber auch aufopferungsvollen Begleitung.

 

 

 

An diesem Punkt stehen, an dem es gilt, Abschied zu nehmen.

 

Da bin ich in dem Bild von der Brücke und dem Brückenbauer. Ich sehe einen tiefen Abgrund, den Tod und blicke auf ein Land, das wir nicht kennen, von dem wir aber hoffen und vielleicht auch glauben, dass es ein Land der Lebenden ist.

 

 

 

Alleine schon der Gedanke, dass wir uns eigentlich mit dem Tod, einem endgültigen Ende nicht abfinden mögen, alleine schon diese Sehnsucht nach irgend einem Leben, das über den Tod hinaus reicht, sind zumindest ebenso berechtigt, wie das Bemühen und die Bereitschaft es anzunehmen, dass Sterben ein Abschied für immer und der Tod endgültig ist.

 

 

 

Sehr viele Worte und Zeichen sprechen für die Hoffnung, sind Ausdruck und suchen nach einer Brücke zu den Menschen, die von uns gegangen sind, manchmal mit der besonders tiefen Bedeutung des Wort: Auf Wiedersehen!

 

 

 

Wenn ich in Zeitungen schaue und die Todesanzeigen lese, mit denen Menschen sich von ihren Lieben verabschieden oder in Gesprächen höre, wie sie versuchen,

 

mit dem Sterben zu leben und über den Tod hinaus Leben zu wünschen, dann sind die meisten Gedanken Worte voller Hoffnung: „Du wirst uns weiter nahe sein“ oder  „in unserem Herzen lebst du weiter“.

 

Wir reden von den „Entschlafenen“, nicht nur weil das nicht so hart klingt, sondern oft auch mit der Hoffnung, wieder wach zu werden, wie nach einem Schlaf.

 

Andere erzählen von den Sternen, in den die Toten uns leuchten und auf uns sehen.

 

 

 

Gerade erst haben viele an Allerheiligen Lichter an den Gräbern angezündet, Lichter des Lebens, die die Verstorbenen für uns waren und Lichter, die ihnen in und uns in ein neues Leben leuchten mögen.

 

Es wären ja Irrlichter, wenn sie nicht für das Leben sondern für den Tod leuchten würden.

 

 

 

Auf den Gräbern finden wir Symbole des Lebens. Da sehen wir Herzen, Bäume, Ähren und immer wieder auch Kreuze – Kreuze, die für das Leben stehen, dass auch der Tod nicht vernichten kann.

 

 

 

Was und wer gibt uns eigentlich das Recht, mit der Sehnsucht nach Leben vom Sterben zu reden und dem Tod unsere Hoffnung entgegen zu stellen?

 

 

 

Glaubende und nicht Glaubende nehmen den Regenbogen als Zeichen, dass ganz ferne Orte über den Himmel miteinander verbunden sind.

 

Unser Orte hier und die Orte unserer Sehnsucht dort verbindet der Regenbogen und überspannt den Abgrund des Todes.

 

 

 

In der Bibel, im Alten oder dem Ersten Testament, setzt Gott den Regenbogen nach der Sintflut in den Himmel. Dabei sagt er, dass dieser Bogen ein Bundeszeichen Gottes ist, dass nie mehr Leben vernichtet werden soll, dass er für das Leben einsteht.

 

 

 

Der Gott des Lebens, lässt sich, wie wir es eben im Evangelium gehört haben, von keinem mehr das Leben der Menschen aus der Hand nehmen.

 

Das Leben, das er uns hier in unsere Hand gegeben hat, damit wir daran mitarbeiten und erleben, wie lebenswert es ist. Dieses unvollendete Leben dürfen wir ihm am Ende wieder in die Hand geben, damit es in einem neuen Leben vollendet wird.

 

 

 

Zu diesem neuen Leben will er die Brücke sein. „Es muss ein schöner Beruf sein, Brücke zu bauen.“

 

Gott hat sich einen schönen Beruf ausgesucht, uns eine Brücke zu bauen, von diesem Leben hier, mit allem Schönen und allen seinen Grenzen zu einem Leben in dem neuen Land, zu einem Leben ohne Grenzen.

 

 

 

Es muss ein schöner Beruf sein, eine schöne Berufung sein, einander an die Hand zu nehmen, um sich die Brücke zu zeigen, die in das neue Leben trägt.

 

Es muss ein schöner Beruf sein, mit Menschen an diese Brücke zu gehen, nicht nur um Abschied zu nehmen, sondern um eine Brücke finden, die in ein neues Leben führt.

 

Auch uns hier, will Gott Brücken bauen, um für uns selbst wieder einen Weg ins Leben zu finden und uns an die Hand zu nehmen, den Weg über diese Brücke auch zu wagen.

 

 

 

Menschen, die Trauerwege mitgehen und einander an die Hand nehmen und einander Halt geben, sind diese Hand Gottes, die Leben bewahren will.

 

 

 

Während ich so rede, spüre ich auch den Zweifel und den Widerspruch, dass unser Leben den Weg des Sterbens gehen muss, um neu ins Leben zu finden.

 

Aber Menschen, denen wir unser Not und unsere Hoffnung anvertrauen können, sind die Hand Gottes, die uns trägt und die unser Leben vor dem endgültigen Sterben schützt.

 

Sie sind das Bundeszeichen unter uns und über uns.